Business News.
Juni 17, 2007 // Autor: Alexander Hüsing
Als erste deutsche Office-Zeitung sollte „Business News“ für die Verlagsgruppe Handelsblatt die Büroräume der Republik erobern. Das aus dem gescheiterten Titel “News” hervorgegangene Wirtschaftszeitungsprojekt im Tabloid-Format lag am 7. August 2006 erstmals in Fluren und Kantinen ausgewählter Unternehmen aus. „Wir erreichen unsere Leser da, wo sie die Informationen am besten gebrauchen können: morgens im Büro. Dank unseres späten Redaktionsschlusses sind wir in der einzigartigen Lage, auch die Top-News des Abends kommentieren und bewerten zu können, die andere Zeitungen erst einen Tag später aufnehmen können“, erklärte Chefredakteur Klaus Madzia das Projekt „Business News“ im Sommer 2006. Neben dem Themenschwerpunkt Wirtschaft berichtete „Business News“ auch über Politik, Kultur, Unterhaltung und Sport.
Die Startauflage von „Business News“ (32 Seiten) lag bei 80.000 Exemplaren. Die Auflage wurde von Ernst & Young zertifiziert. Die Unternehmensberatung ließ dafür die entnommenen Exemplare aus den Displays zählen. “Wir schaffen damit für den innovativen Vertriebsweg Officezeitung eine harte Währung”, erklärte Marion Bleß, Geschäftsführerin der Tabloid Verlagsgesellschaft mbh. Im April 2007 soll die Auflage bei 111.558 Exemplaren gelegen haben. Ein fader Beigeschmack, ob die Auflage stimmt, blieb immer. Der Preis für eine Anzeigenseite betrug 9.000 Euro. Zumindest in den ersten Ausgaben bekamen die Leser sogar einige Anzeigen zu sehen (unter anderem BMW, RAG und Capgemini). Danach wurde in „Business News“ fast nur für verlagseigene Angebote oder Beteiligungen der Handelsblatt-Mutter Holtzbrinck beworben“.
Wegen der Anzeigenflaute kam im Juni 2007 das Aus für „Business News“. „Trotz erheblicher Erfolge im Lesermarkt konnte sich das neuartige Vertriebskonzept von ‚Business News’ anders als in anderen europäischen Ländern auf dem Anzeigenmarkt nicht durchsetzen“, teilte die Verlagsgruppe Handelsblatt mit. „Hausgemachte Fehler dürften aber ebenfalls zum Scheitern von ‚Business News’ beigetragen haben: In der Verlagsgruppe Holtzbrinck, zu der die VHB gehört, meinen einige, dass Chefredakteur Klaus Madzia eine zu große und kostspielige Redaktion aufgebaut habe. Die ursprüngliche Idee, sich vorrangig bei anderen Holtzbrinck-Titeln mit Inhalten zu bedienen, sei zunehmend in den Hintergrund getreten. Zum Schluss waren in Berlin etwa 25 Redakteure beschäftigt“, schrieb der Branchendienst „kressreport“ zur Einstellung.
Daten und Fakten:
Existenz: 7. August 2006 bis 18. Juni 2007
Verlag: Tabloid Verlagsgesellschaft mbh / Verlagsgruppe Handelsblatt GmbH
Segment: Wirtschaftszeitung
Erscheinungsweise: werktäglich
Copy-Preis: kostenlos
Chefredakteur: Klaus Madzia
Verkaufte Auflage: 111.558 (Verlagsangaben)
Links:
- Pressemitteilung zum Ende von “Business News”: “Business News wird eingestellt”
- Pressemitteilung zum Start von “Business News”: “Business News erfolgreich gestartet”
Recherchequellen dieses Eintrags in alphabetischer Reihenfolge:
“Horizont“, “kressreport“, “werben & verkaufen“
Henrik said...
“Danach wurde in ‘Business News’ fast nur für verlagseigene Angebote oder Beteiligungen der Handelsblatt-Mutter Holtzbrinck beworben.”
Das “fast” kann man eigentlich streichen. Zumindest in der Ausgabe vom letzten Montag habe ich keine einzige bezahlte Anzeige entdecken können. Außer evtl. eine Anzeige von “markt.de”. Aber wie ich gerade sehe, ist Holtzbrinck (neben anderen Verlagen) auch daran beteiligt.
Juni 17th, 2007
Alexander Huesing said...
Habe auch kaum echte Anzeigen in den letzten Wochen entdeckt. Vielleicht gab’s aber doch irgendwo mal eine ordentlich bezahlte Anzeige und deswegen das Wörtchen “fast”.
Juni 17th, 2007
Loic said...
Oh Mann, was bringt das, einfach eine vhb-Mitteilung hier zu übernehmen? “Zu viele Redakteure beschäftigt”: Tatsache ist: Die Redaktion war bis zuletzt unterbesetzt. Die Leute mussten immer ans Limit gehen. Zeit für eigene Geschichten war nicht. Und wenn, dann nur, wenn man noch fünf Stunden drauf gelegt hat. Die Redakteure haben im Übrigen sehr schlecht verdient: Weit, weit unter Tarif. So weit, dass Ihr Euch das wahrscheinlich gar nicht vorstellen könnt. Das Problem an dieser Zeitung war also nicht, dass sie zu teuer war, sondern im Gegenteil, chronisch unterfinanziert und damit von Beginn an dem Untergang geweiht. Schon zu Beginn dieses Jahres habe einige Redakteure das sinkende Schiff rechtzeitig verlassen. Danach sank natürlich auch die Qualität. “Business News” dürfte Holtzbrinck etwa fünf Prozent dessen gekostet haben, was der Verlag für studivz. investiert hat… Wenn schon ungeprüft Pressemitteilungen oder sonstiges übernommen wird, dann bitte einfach kritischer damit umgehen, danke.
Juni 17th, 2007
RANDPOP said...
Linkgewusel – 17.10…
Wenn einem nichts mehr einfällt
dann verfasst entweder nur Linklisten die mit launigen Texten versehen sind oder man lässt direkt den Redaktionskater die Texte tippen. Kann man den eigentlich verklagen, weil er meine üblichen Blindtexte …
Juni 18th, 2007
Dallidalli said...
der “fade Beigeschmack, ob die Auflage stimmt” hinterlässt faden Beigeschmack.
Beim Tipp: erst recherchieren, dann behaupten. Bei der ivw lässt es sich gut schummeln, bei Business News nicht. Hier wurde die “entnommene Auflage” gemessen - also die tatsächlich gelesene. Bei der ivw gilt bereits die gelieferte und über dubiose Gegengeschäfte eingedrehte Auflage als ” verkaufte Auflage”.
Also Klartext: 100 gelieferte Business News wurde nicht als 100 “entnommene” gemessen. Aaaber: 100 ivw-gemessene Zeitungen, die in eine Firma geliefert wird - egal ob gelesen oder Mülleimer, die landet im “sonstigen Verkauf”.
Na, Unterschied gemerkt???
Juni 18th, 2007
Lassi said...
Redaktion war in der Tat unterbesetzt, weil es keiner ausgehalten hat.
Hier wurde keiner in der Probezeit gefeuert, sondern die Probezeit wurde genutzt, um abzuhauen.
Weiss, wovon ich rede ….
Juni 19th, 2007
Jens Schroeder said...
Herr “Dallidalli”. Anders herum wird wohl eher ein Schuh daraus. Bei der IVW lässt sich schummeln, bei “Business News” nicht, schreiben sie. Das ist eine sehr gewagte These, dass die “Business News”-Auflage härter sein soll als die von IVW-geprüften Titeln - Branchenexperten sehen das nämlich ganz genau andersherum. Bei “Business News” wurde die Auflage nach eigenen Angaben von den Vertriebspartnern geprüft. Und ob die wirklich die entnommenen Exemplare haarklein gezählt haben oder eher so Pi mal Daumen abgeschätzt haben, möchte ich ehrlich gesagt lieber nicht wissen.
Juni 19th, 2007
Miu said...
Herr Schröder,
leider einen wesentlichen Punkt nicht beachtet: hinter den “Vertriebspartnern”, die “pi mal Daumen” die Remis schätzen, verbergen sich seriöse Grossisten. Wenn Sie deren Zählfähigkeit anzweifeln, bitte. Aber wie steht es dann mit z.B. der “körperlosen Remission” der Bildzeitung? Oder der Welt Kompakt? Die wären dann ebenso anzuzweifeln. Mit einem Unterschied. Die Welt Kompakt z.B. zählt gar erst ihre Remis, weil sie ihre Zeitungen über Gegengeschäfte in die Unternehmen drückt. Egal ob sie gelesen werden oder nicht, die landen im “sonstigen Verkauf”. Schade, dass Sie als künftiger Handelsblatt-Mitarbeiter nicht besser recherchieren.
Juni 20th, 2007
Alexander Huesing said...
@ Dallidalli
Auch kostenlose Titel können sich von der IVW messen lassen. Unicum beispielsweise macht dies seit Jahren so.
Die “entnomme Auflage” aus den Ständern sagt übrigens auch nichts darüber aus, ob die Zeitung wirklich gelesen wurde.
Juni 20th, 2007
Jens Schroeder said...
@Miu: Was hat Recherche damit zu tun? Es geht hier nicht um harte Fakten, sondern in gewissem Sinne auch um ein Bauchgefühl. Oder haben Sie recherchiert, ob diejenigen, die die “Business News”-Auflage zählen sollten, das auch getan haben? Und zum Thema “Auflagenerfolg”. Ist es nicht völlig klar, dass eine “entnommene Auflage” steigt, wenn man immer mehr Unternehmen in den Verteiler aufnimmt? Hätte “Business News” nicht auch eine “Bild”-Auflage bekommen können, wenn man sie nur an jeder Ecke des Landes verteilt hätte? Das Problem an der Sache ist doch wohl, dass durch die höhere Auflage (und die größere Anzahl an Auslagestellen) die Kosten gestiegen sind - ohne dass man sie irgendwie refinanzieren konnte. Denn so lang man seine Auflage nicht von anerkannten unabhängigen Experten prüfen lässt, denen auch Mediaagenturen trauen, wird man am Anzeigenmarkt wenig Erfolg haben - zumindest darauf sollten wir uns doch einigen können?
Juni 21st, 2007
Miu said...
richtig: auch kostenlose Titel können sich messen lassen. Die ivw hatte angeboten, Business News unter “Freistücke” zu listen. Das entspricht aber nicht der “entnommenen Auflage”. Unterschied: Freistücke hieße, z.B. 10.000 Stück zu liefern und - egal ob gelesen oder im Müll - 10.000 Auflage haben.
“Entnommene Auflage” ist wesentlich präziser. Sie heißt z.b: 1000 Stück geliefert, 800 Entnommen: also werden auch nur 800 Stück gemeldet.
Das ist der Grund, warum Business News nicht ivw-gemessen wurde, sondern von Ernst & Young (die ja ivw-Erfahrung haben). Wüßten Sie einen besseren “unabhängigen Experten”??
Auflage steigern konnte Business News in der Tat vor allem über die höhere Anzahl der Auflagestellen. Macht aus Sinn, denn die Anzahl von Mitarbeitern eines Unternehmens ist bekanntlich begrenzt.
Und dass Business News eine Millionen-Auflage erzielen würde, wenn es an jeder Ecke verteilen würde, ist auch klar. Aber dann hätten BN die Bild-Zielgruppe. Das war nun wirklich nicht das Konzept. Es ging darum, wirtschaftsaffine young professionals anzusprechen, was ja gelungen ist.
Schade, dass Sie bei ihren Recherchen nicht die gefragt haben, die sich damit auskennen. Gerade solche “Bauchgefühl”-Meldungen haben dazu beigetragen, dass eine tolle Inonvation zu Grabe getragen werden muss …
Juni 22nd, 2007
Andi said...
Wird dieser Blog eigentlich noch aktualisiert oder ist er gestorben, wie die diversen Projekte, über die hier berichtet wurde?
Oktober 4th, 2007