Drei Fernsehleichen.
Februar 15, 2009 // Autor: Jens Schröder // bisher keine Kommentare
Nicht nur bei den Print-Medien und im Internet wird der Februar 2009 als Massaker-Monat in die Mediengeschichte eingehen, auch im Fernsehen sind einige Tode zu beklagen. So wurde in den vergangenen Tagen das Ende von gleich drei TV-Sendern verkündet. Es trifft die deutsche Version des Wirtschaftsnachrichtenkanals Bloomberg Television, den digitalen Spartenkanal Deutsches Gesundheitsfernsehen und den Games-Sender Giga.
Bloomberg Television war 1998 mit einer deutschsprachigen Version an den Start gegangen und erreichte zwischenzeitlich mehr als 70% der deutschen Haushalte. Das Programm bestand vor allem aus Live-Berichten, Interviews, Talks und kleinen Magazinen zum Geschehen an den internationalen Börsen. Bereits vor einem Jahr wurde die analoge Verbreitung des Senders aber eingestellt, er war fortan nur noch digital über Kabel und Satellit empfangbar. Damit ist nun auch Schluss, überleben soll künftig nur noch der englischsprachige Ableger, alle anderen Sprachversionen werden nach Medienberichten beendet. Damit dürfte auch die Tochter von Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt ihren Job verlieren - sie arbeitete als Moderatorin beim deutschen Bloomberg Television.
Das Deutsche Gesundheitsfernsehen (DGF) existierte wesentlich kürzer. Es war erst 2007 an den Start gegangen und zeigte ein recht ambitioniertes Programm aus Magazinen, Talks und täglichen Gesundheitsnachrichten. Als Problem entwickelte sich wohl aber die Tatsache, dass das DGF rein digital ausgestrahlt wurde und die Reichweite dabei nicht ausreichte, um als Free-TV-Sender mit Werbeumsätzen zu überleben. Anfang Februar verschwand der Sender plötzlich von den Bildschirmen, was zunächst offiziell mit “technischen Problemen” erklärt wurde. Eine Pressemitteilung brachte dann aber endgültige Klarheit: Das DGF existiert als TV-Sender nicht mehr. Man spricht darin zwar davon, dass das DGF “sein Programm ins Internet verlagert”, doch übrig bleiben wohl nur die täglichen Gesundheitsnachrichten und das Video-Archiv.
Eine bewegte Geschichte hat der Sender Giga hinter sich. Er existiert seit mehr als zehn Jahren und soll nun Ende März abgeschaltet werden. Gegründet wurde Giga Ende 1998 als Programmfenster bei NBC Europe. Das fünfstündige “NBC Giga” war eine Sendung, die für damalige Verhältnisse etwas völlig Neues war: Fernsehen für Jugendliche mit Themen, die hauptsächlich aus dem Internet kamen. Auf der Begleitwebsite entstand mit Hilfe von Foren und Chats eine treue Community, die für weitere Formate wie “Giga Games” und 2005 schließlich für einen kompletten Digitalsender sorgte. Der Schwerpunkt des Senders wurde zwischenzeitlich komplett auf das Boom-Thema Games geändert, im Juni 2006 startete mit Giga 2 sogar ein eigener E-Sports-Kanal, der 2007 allerdings wieder beendet wurde. Im Jahr 2008 wurde Giga schließlich vom Pay-TV-Konzern Premiere übernommen, das Programm wurde abermals geändert: Nachdem es in den Vorjahren auch wieder Sendungen gab, die sich nicht mit Videospielen beschäftigt hatten, gab es nun wieder Games satt. Ende März zieht Premiere nun den Stecker, will sich offenbar wieder auf das Kerngeschäft Pay-TV konzentrieren. Auch die Website giga.de verschwindet wohl im Daten-Nirvana. Giga-Chef Stephan Borg verabschiedete sich mit einem Blog-Eintrag von den treuen Giga-Fans. Darin heißt es u.a.:
“Der Werbemarkt für Fernsehsender lässt immens nach. Selbst große Sender klagen bereits über bis zu zweistelligen Umsatzrückgängen und Werbekunden investieren nur verhalten in Werbung- und Marketingkampagnen. Das hat auf kleine Sender wie uns erschütternde Auswirkungen.
Hinzu kommt die Tatsache, dass der Werbemarkt im Bereich Gaming stark eingebrochen ist. Man sieht an den Umsätzen der Verlage für Fachzeitschriften wie die Werbeerlöse dort schrumpfen.
Danke für zehn Jahre GIGA, danke für ein Stück Mediengeschichte, danke an mein Team, das nie aufgegeben hat!”